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FAMA-Messefachtagung und B2C-Fachforum in Münster
Im Rahmen der FAMA-Messefachtagung im Messe- und Congress-Centrum Halle Münsterland in Münster diskutierten 130 Tagungsteilnehmer zwei Tage lang über die Lage und Herausforderungen im Messegeschäft. Ihre Botschaft: Trotz Transformation und technologischer Disruption sind Live-Erlebnisse das, was Menschen suchen - auch auf Messen.
Von einer „Selbstbesinnung auf den Markenkern von Messen“ sprach Henning Könicke, Vorstandsvorsitzender des Fachverbands Messen und Ausstellungen (FAMA). Wie das aussehen kann, zeigten Beispiele aus Des Moines, Iowa/USA und aus Münster selbst. Auch das Zukunftsinstitut von Matthias Horx war involviert.
Junge Festival-Formate liegen im Trend, etwa die „Data:unplugged“, ein „junges“ Format, entstanden während Corona, ursprünglich als Podcast und inzwischen Europas größtes Festival für Daten und KI - bis zu 15.000 Teilnehmer werden im kommenden März zur nächsten Ausgabe im MCC Halle Münsterland erwartet. Gestartet war „Data:unplugged“ mit einem Masterclass-Treffen, zu dem etwas mehr als fünfzig Personen kamen, erinnern sich die beiden Gründer Dr. Bernard Sonnenschein und Marcel Windau: „Keine Kohle, keine Ahnung von Events, dafür viel Drive und Mut zum Risiko, daraus hat sich ‘Data:unplugged’ entwickelt. Dessen Kern sind Business, Education und Entertainment, die Form dafür ist bunt, divers, laut und trotzdem sehr professionell.“
Inzwischen sind mehr als 150 Unternehmen (Großkonzerne, E-Commerce-Unternehmen, Digital-Startups, deutsche Mittelständler) dabei, wenn in der Münsterlandhalle auf fünf Bühnen und in vierzig Masterclasses mehr als 200 Speaker ihr Digital-Know-how teilen. Zwischendurch gibt es Musik und Comedy. Ein Konzept, das an die Online Marketing Rockstars und das OMR Festival in Hamburg erinnert: mehr als 70.000 Teilnehmer kommen inzwischen jährlich zum europaweit größten Marketing- und Digital-Festival an die Elbe. Auch dieses Festival hatte einmal mit weniger als 200 Teilnehmern begonnen - das ist vierzehn Jahre her, seitdem geht es bergauf. Erst vor einigen Jahren hatte OMR-Gründer Philipp Westermeyer das OMR-Konzept auf der FAMA-Messefachtagung in Frankfurt am Main präsentiert.
Für Henning Könicke sind beide ein Beleg dafür, wie jung das Medium ist, wenn relevante Inhalte in neu definierten Formaten präsentiert werden. In dem Fall sei die Mischung aus Education und Entertainment ein Faktor: „Das ist zwar keine Blaupause zum Erfolg, doch der Trend nimmt zu. Trotz wachsendem Einsatz von KI und Big Data liegt inzwischen wieder ein verstärkter Fokus auf den Live-Experience-Qualitäten von Messen und Ausstellungen“, so der FAMA-Vorstandsvorsitzende.
In Iowa hat das eine lange Tradition: Seit 1846 findet hier eine der größten, traditionsreichsten und populärsten Shows der USA statt - fast 1,2 Millionen Besucher kamen im vergangenen August zur Iowa State Fair. Auf einer Fläche von mehr als 1,6 Millionen Quadratmetern ist sie landwirtschaftliche Ausstellung, Volksfest, Konzerthalle, Competition und „Celebration of Agriculture“ in einem, sagt Jeremy Parsons, Manager der Iowa State Fair, der auf der FAMA-Messefachtagung 2025 live aus Des Moines zugeschaltet wurde. Seine Faustformel „Achtzig Prozent Tradition, zwanzig Prozent neue Highlights und Events“ wurde in Münster zum geflügelten Wort. Auch im anschließenden Deep Dive, in dem unter anderem Reto Gertsch das Konzept der BEA vorstellte, die als größte Publikumsmesse der Schweiz in Bern mit 330.000 Besuchern in Format und Machart viel Ähnlichkeit mit der Iowa State Fair hat.
Zwischen Innovation und Tradition - für Theresa Schleicher ist das kein Widerspruch. Sie gilt als eine der führenden Handels-Zukunftsforscherinnen in der DACH-Region und ist für das Zukunftsinstitut tätig. Ihr Befund auf der FAMA-Messefachtagung: „In der gegenwärtigen Omnikrise, bedingt durch Kriege, Rezession, Geopolitik und Klima, sind Faktoren wie neue Regionalität, Wellbeing und Health sowie das Erleben starker Communities positive Anker, die an Bedeutung gewinnen werden.“
Im Zeithorizont bis 2040 erwartet Schleicher fünf wirksam werdende Mega-Trends, die einen Impact auf Messen und Ausstellungen haben werden. Dazu zählen neben der Dynamik regenerativer Lösungen („Green Tech“) und dem steigenden Einsatz autonomer Systeme („Tech Evolution“) die Trends Health, Diversität und Regionalität sowie Community und Kommunikation. Hier sieht sie trotz der weiterhin anhaltenden Konsumzurückhaltung Chancen zum New Growth. Ein Konsum-Booster sei die Suche nach Schönheit und die Befriedigung hedonistischer Bedürfnisse.
Darauf scheine selbst in der Krise Verlass zu sein, auch wenn Hendrik Hochheim, Leiter Messen Deutschland im Ausstellungs- und Messe-Ausschuss der Deutschen Wirtschaft (AUMA), angesichts der aktuellen Konsumzurückhaltung „eher eine Seitwärtsbewegung“ bei den Publikumsmessen in Deutschland erkennt. Der Berliner Verband unterstützt das B2C-Fachforum, das im Rahmen der Messefachtagung 2025 am zweiten Tag stattfand.
Das Fachforum steht traditionell im Zeichen der offenen Diskussion aus Perspektive von Veranstaltern, Ausstellern und Besuchern. „Schluss mit alten Mustern“ hieß es beispielsweise im Workshop der Veranstalter. Hier wurden im World-Café-Format Themen wie die Messe-Markenführung und Fragen der Inszenierung und Dramaturgie diskutiert. Die Markenkommunikation - von Social Media über Außenwerbung bis zum Newslettering - standen im Fokus von Workshop 2. Hier ging es nach einem Impulsvortrag von Creative Director Bernd Schiller („Nett hier, aber waren Sie schon mal...“) vor allem um die Perspektive von Besuchern. Im dritten Workshop gab „Kochblume“-Chef Mark Deneberger als „Heavy User“ von Verkaufsmessen einen tiefen Einblick in die Ansichten eines Ausstellers. Christian Poell stellte KI-Tools und die „Ausbildung“ von AI-Sales-Agenten vor.
Bilanzierend sagte Frank Mertz, Vertriebs-Chef der Messe Essen, es sei vielleicht an der Zeit „Dinge neu vom Kopf auf die Füße zu stellen und zu befreien von den Zwängen des Denkens in den Kategorien des Controllings und der (Selbst-)Regulatorik“.
Die nächste Fachtagung findet - dann wieder als DACH-Messefachtagung, veranstaltet von FAMA, Messen Austria und der Swiss LiveCom Association Expo Event - an der Bernexpo am 22. und 23. Juni 2026 statt.
(Fotos: FAMA)
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