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fwd: und Bundeskonferenz Veranstaltungswirtschaft übergeben Strukturbericht an Bundesregierung
Veranstaltungen sind ein bedeutender Standortfaktor, sowohl für die einzelnen Branchen und Betriebe wie auch für den Wirtschaftsstandort Deutschland insgesamt. Doch diese Infrastruktur gerät aktuell unter massiven Druck: Die Auslastung liegt 2026 laut RIFEL-Index um minus 7,6 Prozent unter dem Vorjahreswert, in einzelnen Monaten sinkt er sogar um minus 13,5 Prozent. Auch der Ifo-Geschäftsklimaindex für die Veranstaltungswirtschaft ist alarmierend: Er steht bei minus 19,2 Punkten - der schwerste Einbruch seit der Pandemie.
Die Organisationen fwd: Bundesvereinigung Veranstaltungswirtschaft und Bundeskonferenz Veranstaltungswirtschaft haben den „Strukturbericht Veranstaltungswirtschaft I/2026“ erstellt. Das umfassende Dokument bündelt als erstes die aktuellen strukturellen Hemmnisse der Branche und liefert der Bundesregierung eine fundierte Entscheidungsgrundlage.
Laut des Berichts steigen die Kosten für den Sektor bei Löhnen um 26,3 Prozent, für die Energie um 80 Prozent (noch vor dem Irankrieg), bei der Logistik durch die Maut um 60 Prozent und für das Kapital, da sich die Finanzierungskosten verdreifacht haben. Hinzu kämen strukturelle Steuer- und Arbeitszeitnachteile. Sie bescherten deutschen Anbietern im europäischen Vergleich einen Kostennachteil von 30 bis 40 Prozent. Folglich wanderten etliche Veranstaltungen nach Spanien, Portugal, Frankreich und ins übrige europäische Ausland, von wo sie nicht zurückkehren würden.
Politische Hilfsansätze wie die Superabschreibung griffen dabei ins Leere, denn dieses Instrument ziele auf schweres Anlagevermögen, nicht aber auf personalintensive Dienstleistungen wie im Veranstaltungswesen. Nach Ergebniseinbrüchen von minus 50 bis 70 Prozent würden solche künstlichen Verlustschreibungen das Banken-Rating geschwächter Mittelständler weiter gefährden. Die Branche brauche keine Symbolpolitik, sondern eine strukturelle Kostenentlastung.
Mike P. Heisel von der Bundeskonferenz Veranstaltungswirtschaft und Christian Eichenberger von fwd: Bundesvereinigung Veranstaltungswirtschaft haben den Strukturbericht im Bundesministerium für Wirtschaft und Energie an die Leiterin der Abteilung Mittelstandspolitik, Janina Jänsch, übergeben. Zudem überreichten sie ihn an Staatssekretär Dr. Steffen Meyer vom Bundesministerium der Finanzen.
„In turbulenten Zeiten beherrscht Unsicherheit den Markt. Gerade jetzt sind Veranstaltungen indes kein verzichtbarer Luxus“, betont Eichenberger. „Sondern sie sind der zuverlässigste Weg, Vertrauen aufzubauen, Kundenbeziehungen zu festigen und sichtbar zu bleiben. Wer jetzt sein Schaufenster schließt, überlässt das Feld dem Wettbewerb.“
Daten zeigten, dass Veranstaltungs-Stornierungen kontraproduktiv und teurer seien. Wo derzeit Unsicherheit Kaufentscheidungen verzögere, seien Business-Events der effizienteste Hebel für stabile Kundenbeziehungen und Wachstum aus der Krise. Weltweit bauten 85 Prozent der Führungskräfte ihre stärksten Geschäftsbeziehungen durch persönlichen Kontakt auf, statt über digitale Kanäle, weil menschliche Bindung im Raum entstehe.
Auf einer Messe hätten 67 Prozent der Besucher erstmals Kontakt mit einem Unternehmen und kauften danach mit 72 Prozent höherer Wahrscheinlichkeit dort als Interessenten, die die Marke nur digital kennen. Betriebe, die Live-Formate mit digitalen Kommunikationsmaßnahmen kombinieren, wüchsen etwa 50 Prozent schneller als Wettbewerber, die nur online in Erscheinung treten.
Das Anfassen von Warenneuheiten schlage den ausgefeiltesten Algorithmus, so Eichenberger weiter. Über 70 Prozent der Menschen würden ein Produkt noch eine Woche nach dem ersten haptischen Kontakt genau wiedererkennen. Wer mit solchen Mitteln seine Kundenbindungsrate um nur 5 Prozent steigert, erhöhe seine Profitabilität um etwa 75 Prozent. Veranstaltungen seien der direkteste Weg dorthin. Sie ermöglichten in wenigen Tagen, wofür sonst Monate Vertriebsarbeit nötig seien. Von Mensch zu Mensch gebe es relevante Gespräche, belastbare Verbindungen und sodann eine messbare Kaufabsicht. Herausfordernde Zeiten würden daher zum Wettbewerbsvorteil für alle, die jetzt bewusst in Begegnung und Vernetzung investieren.
Die Verbandsvertreter haben mit dem Strukturbericht die folgenden acht Forderungen der Veranstaltungswirtschaft übergeben:
„1.) Unternehmenssteuern sofort senken auf 25 Prozent. In Deutschland werden die Betriebe mit knapp 30 Prozent belastet. In Österreich sind es 23 Prozent, in Spanien und Frankreich 25 Prozent, in den Niederlanden 25,8 Prozent. Parallel muss die Gewerbesteuerhinzurechnung auf Mietaufwände abgeschafft werden, denn sie erzeugt einen kalkulatorischen Preisnachteil von 15 Prozent gegenüber EU-Anbietern.
2.) Arbeitszeitflexibilisierung statt Tageskorsett sowie Abbau des strukturellen Lohnkostennachteils. Ein starres tägliches Arbeitszeitkorsett wie in Deutschland ist im europäischen Vergleich die Ausnahme. Die EU-Arbeitszeitrichtlinie (2003/88/EG) begrenzt die Wochenarbeitszeit auf 48 Stunden ohne eine tägliche Deckelung. Die meisten EU-Mitgliedstaaten setzen das flexibel um. Deutschland ist der Ausreißer und begrenzt die Tagesarbeitszeit, was nicht zum Veranstaltungswesen passt. Dazu kommt ein großer struktureller Lohnkostennachteil. Deutsche Veranstaltungsbetriebe zahlen pro Arbeitsstunde durchschnittlich 43,40 Euro, spanische Wettbewerber nur 25,50 Euro, italienische nur 30,90 Euro und portugiesische gerade einmal 18,20 Euro, also weniger als die Hälfte (Eurostat/Destatis, 2024). Starre Arbeitszeiten und überbordende Lohnnebenkosten zusammen sind ein systemischer Doppelnachteil, der sich in jeder Kalkulation niederschlägt. Beides führt dazu, dass Veranstaltungen nach Lissabon, Barcelona und Mailand abwandern. Deutschland braucht dringend die Flexibilisierung der Wochenhöchstarbeitszeit und einen vergleichbaren Abbau der Lohnnebenkosten.
3.) Mautbefreiung für kleine LKW analog zur Handwerkerregelung. Messebauer, Veranstaltungstechniker und Beleuchter sind handwerkliche Dienstleister und müssen rechtlich so behandelt werden. Dies gilt umso mehr angesichts gestiegener Kraftstoffkosten.
4.) Bürokratieabbau und Rahmengenehmigungen statt Einzelfallanträge. Jede Sonntagsschicht und jede Feiertagsfahrt müssen einzeln beantragt und dokumentiert werden. Zielführend ist, die Verantwortung zurückzugeben an die Unternehmen. Branchenzertifizierungen und Rahmengenehmigungen sind wirksamer als hoher Verwaltungsaufwand ohne Sicherheitsgewinn.
5.) Visa-Erleichterungen und internationale Willkommenskultur. Deutschland muss als sichere, unkomplizierte Veranstaltungsdestination global sichtbar sein. Von den Messestädten muss eine Willkommenskultur gelebt werden, wie in Lissabon und Barcelona. Die Bürokratie bei der Vergabe von Geschäfts-Visa für Messebesucher muss runter. Solche Schritte wäre konkrete Standortpolitik.
6.) Bewirtungsfreibetrag anheben von 110 Euro auf mindestens 180 Euro zwei Mal jährlich. Dieser Wert ist seit 2001 eingefroren. Eine Inflationsbereinigung ist laut Bundesrechnungshofs längst überfällig. Die Folge dieser Stagnation ist, dass Mitarbeiterevents ins Ausland abwandern.
7.) Strukturreform der Sozialkosten. Das personalintensive Eventgeschäft hat einen Kostennachteil von über 40 Prozent. Ohne eine Lohnkostenreform als Teil einer umfassenden Arbeitsmarktreform verliert Deutschland auch auf dem europäischen Veranstaltungsmarkt weiter an Boden.
8.) Die Superabschreibung hilft dem Dienstleistungssektor nicht. Denn personalintensive Branchen haben kein schweres Anlagevermögen. Wer die wenigen verbliebenen Gewinne noch künstlich ins Minus schreibt, ruiniert sein Banken-Rating. Der Wirtschaftszweig braucht Kostenentlastung, keine Abschreibungssymbolik.“
Heisel betont: „Schuldenlast, explodierende Kosten und strukturelle Nachteile gefährden unsere Weltmarktposition. Die tagesaktuelle Energiekrise ist dabei noch nicht eingepreist. Ohne schnelle Korrekturen bei Steuern, Arbeitszeit und Bürokratie droht die deutsche Wirtschaft, ihre internationale Wettbewerbsfähigkeit dauerhaft zu verlieren. Unser Strukturbericht ist ein Weckruf.“
Foto (v.l.): Mike P. Heisel und Christian Eichenberger. (Fotocredit: fwd: Bundesvereinigung Veranstaltungswirtschaft)
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