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Witiko Adler verstorben
Witiko Adler, langjähriger Inhaber und Geschäftsführer der Konzertdirektion Hans Adler, ist am 15. April 2026 im Alter von 97 Jahren verstorben.
1928 geboren, übernahm Witiko Adler im Jahr 1948 die Konzertdirektion Hans Adler von seinem Vater Hans Adler, der das Unternehmen 1918 ins Leben gerufen und bis zu seinem Tod als Konzertveranstalter und Künstleragentur geführt hatte. Ursprünglich interessierte sich der Sohn für Architektur, doch der frühe Tod des Vaters im Alter von 57 Jahren veranlasste den 20-Jährigen, die Leitung zu übernehmen. Die Begleitung einer Tournee des Pianisten Alfred Cortot gab ihm eine prägende Vorstellung von seinem künftigen Beruf: Aufmerksamkeit, Pflichtgefühl und Verständnis bezeichnete er als „die drei Instrumente des Konzertveranstalters“. Hinzu kamen bei Witiko Adler unternehmerische Weitsicht und kaufmännisches Geschick.
Seine jahrzehntelange Tätigkeit beschrieb er selbst mit den Worten: „Mein Ziel war es, sowohl jene großen Interpreten nach Deutschland zurückzuholen, die von den Nazis vertrieben worden waren, als auch eine neue Generation von Künstlern aufzubauen.“ Zu den von ihm betreuten Künstlern zählten unter anderem Otto Klemperer, Yehudi Menuhin, Eugene Ormandy und Paul Hindemith.
Nach den Aufbaujahren rückte zunehmend die Entwicklung Berlins zu einer internationalen Musikmetropole in den Fokus, ebenso wie die Förderung junger, wegweisender Künstler wie Daniel Barenboim. Die deutschen Debüts von Claudio Abbado, Lorin Maazel, Seiji Ozawa, Bernard Haitink und Zubin Mehta wurden von Adler vermittelt. 1976 arrangierte Witiko Adler das erste Aufeinandertreffen von Herbert von Karajan und Anne-Sophie Mutter. Die Konzertdirektion Hans Adler prägte das Berliner Musikleben nachhaltig und verlieh ihm neue Impulse und künstlerische Vielfalt.
Mit dem „Pro Musica“-Zyklus etablierte die Konzertdirektion zudem die erste Kammermusik-Abonnementreihe Berlins. Weitere erfolgreiche Reihen waren die „Musikalische Akademie“ und die „Meisterkonzerte“, die bis heute fortgeführt werden. Auch das erste Orgelkonzert in der Philharmonie ging auf eine Initiative Adlers zurück.
1960 wurde das Unternehmen um ein zweites Standbein erweitert: die Westdeutsche Konzertdirektion in Köln. Witiko Adler führte zahlreiche Tourneen und Gastspielreisen durch, unter anderem mit den Berliner Philharmonikern. 1988 erhielt er das Bundesverdienstkreuz am Bande und 2000 das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse.
1985 trat Jutta Riedel in die Geschäftsführung. Sie und Witiko Adler führten das Unternehmen fortan gemeinsam. 2022 wurden beide mit der Ernst-Reuter-Plakette ausgezeichnet, der höchsten Ehrung des Landes Berlin. Die Verleihung erfolgte durch die Regierende Bürgermeisterin Franziska Giffey im Festsaal des Roten Rathauses, die das Ehepaar als „Kopf und Herz von Berlins Konzertgeschichte“ würdigte.
Seit Mitte 2024 ist Andreas Schessl Gesellschafter und Geschäftsführer der Konzertdirektion Hans Adler, die heute Teil der MünchenMusik-Gruppe ist. Die Konzertdirektion bleibt ein einflussreicher Akteur im deutschen Musikleben.
„Mit Witiko Adler ist ein einfühlsamer Visionär und unerschütterlicher Unternehmer von uns gegangen. Seine Liebe zur Musik überspannte viele Jahrzehnte das Konzertleben des 20. Jahrhunderts in Berlin. Sein Gespür für klassische Talente, sein Geschick, große Meister an Berlin zu binden, wird uns fehlen. Unsere Gedanken sind bei seiner Familie und den Mitarbeitenden, die die Konzertdirektion sicherlich weiter in die Zukunft tragen. Sie sind ein Teil der Berliner Klassikwelt und werden es bleiben.“
- Senatorin Sarah Wedl-Wilson
„Witiko Adler war ein wirklicher Impresario, der mit Gespür und Geschick große Künstlerkarrieren gestaltet und die deutsche Konzertlandschaft geprägt hat. Fest in seinen Werten und als zugewandter Mensch hat er uns alle beeindruckt und bewegt. Wir sind in unseren Gedanken bei seiner Familie, seinen Künstlern und seinem Unternehmen, wo er eine große, schmerzliche Lücke hinterlässt.“
- Sonia Simmenauer, Präsidentin des Bundesverbandes der Konzert- und Veranstaltungswirtschaft (BDKV)
„Mit großer Trauer nehme ich Abschied von meinem langjährigen Wegbegleiter und Freund Witiko Adler. Kennengelernt haben wir uns bereits 1954, als ich als Elfjähriger an einem Dirigierkurs von Ivor Markevitch in Salzburg teilnahm. 1963 dann arrangierte er mein Debüt bei den Berliner Philharmonikern, seitdem bin ich ihm und seiner Konzertdirektion Hans Adler treu verbunden. Witiko Adler war die Professionalität und Diskretion in Person, seine stets feine Präsenz und sein trockener Berliner Humor werden mir sehr fehlen.“
- Daniel Barenboim
„Witiko Adler war das personifizierte Gedächtnis des Konzertlebens. In einer Branche, die sich heute oft durch Schnelllebigkeit definiert, war er der Fels in der Brandung. Er verstand es, Tradition zu bewahren, ohne die Moderne zu fürchten. Er war ein Impresario der alten Schule. Wir verlieren einen großen Geist, dessen Vision wir mit Stolz und Demut weiterführen werden.“
- Andreas Schessl
(Foto: Konzertdirektion Hans Adler GmbH & Co. KG)
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