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Andreas Fiekers im Interview

Anlässlich der Abschiedstour von Howard Carpendale gibt Andreas Fiekers, Projektleiter bei Satis&fy, Auskunft über seine Arbeit und die Rolle von Satis&fy.

 

Stell dich unserer Leserschaft bitte kurz vor.

ANDREAS FIEKERS: Ich bin Projektleiter bei Satis&fy für Live-Entertainment. Satis&fy ist technischer Generaldienstleister für die Abschiedstour von Howard Carpendale, und deswegen ist es in meiner Hand, dieses Projekt von Satis&fys Seite aus zu steuern.

 

Wie lange bist du jetzt schon bei Satis&fy?

FIEKERS: Mit Satis&fy bin ich seit der Gründung der Satis&fy GmbH verbandelt. Das ist heute der Standort Werne, damals war das Ascheberg, seit 2002.

 

Dann dürftest du ja ET.Now! auch schon mal hier oder da gesehen haben.

FIEKERS: Na klar.

 

Wie kam die Zusammenarbeit mit Howard Carpendale zustande? Ist es das erste Mal, dass ihr seine Tour betreut?

FIEKERS: Die Tour „Let’s Do It Again!“ haben wir als Satis&fy das erste Mal gemacht - dieser Part, über den wir jetzt reden, war ja schon der zweite. Weil wir viele Tourneen für den Veranstalter Semmel Concerts als technischer Dienstleister ausstatten, wurden wir auch für die Carpendale-Tour angefragt und haben letztlich auch von Semmel den Zuschlag bekommen.

 

Worin bestand euer Aufgabenfeld? Musstet ihr auch Lichtdesign und Bühnendesign planen, oder habt ihr nur umgesetzt?

FIEKERS: Nein, das Licht- und Bühnendesign macht Lutz John. Wir setzen dann das Lichtdesign um, das Licht- und Setdesign, was aus Renderings besteht und erstmal wenig technische Details hat. Wir haben das Ganze dann hier technisch umgesetzt, mit unserer Fachplanung für die einzelnen Gewerke.

 

Seid ihr - beispielsweise für die Carpendale-Tour - ein eingespieltes Team, oder wird das Team für jede Tour neu zusammengestellt?

FIEKERS: Wir haben hier in Werne das Team Live-Entertainment - bestehend aus den entsprechenden Projektleitern, die sich auf Live-Entertainment, also das Tourgeschäft, spezialisiert haben - und die entsprechenden Fachplaner. Insofern ist das schon ein eingespieltes Team.

 

Hast du während einer Tour Kontakt zu den Musikern und zum Veranstalter?

FIEKERS: Ich bin ja jetzt nicht mit auf Tour, als Projektleiter arbeite ich quasi im Hintergrund. Aber während der Proben bin ich vor Ort. Und danach komme ich ab und zu nochmal vorbei und gucke, dass alles gut läuft. Bei Carpendale ist es dieses Jahr sehr gut gelaufen, von daher hatte ich da wenig Berührungspunkte. Natürlich habe ich mit Philipp Klarmann, Head of Touring Production bei Semmel Concerts - das ist mein Partner auf der Kundenseite - und mit der Projektleitung - Matthias Baumann und Christin Harnack - zu tun.

 

Ich „begleite“ Howard Carpendale schon einige Jahre und hatte ein bisschen das Gefühl, dass die ganze Produktion etwas auf der Bremse gestanden hat. Irgendwie sprang da für mich der Funke nicht so über, weil alles ein bisschen „laid back“ wirkte. War es vielleicht eine altersbedingte Entscheidung des Künstlers, die Produktion ein bisschen „smoother“ zu gestalten, weil sein Publikum ja auch älter geworden ist?

FIEKERS: Ja, ich glaube schon, das das ein bisschen damit zu tun hat. Die Jungs, die an den Schaltstellen für ihn arbeiten, sind ja auch alle im gesetzten Alter. Ich glaube, Yogi Eßer am Monitor ist schon über sechzig, und Stagemanager Ossi Ostendorf ist seit den 1980er-Jahren mit dabei. Und was die Band betrifft: Ich bin mit Carpendale als Lichttechniker schon in den 1990er-Jahren unterwegs gewesen, und da war Frank Itt zum Beispiel auch schon am Bass. Heute sind natürlich auch noch jüngere Leute mit dabei.

 

Ist es ein bisschen „Family Business“, so eine Tour zu machen?

FIEKERS: Ja, das ist so, und ich glaube, das tut allen auch ganz gut - wenn sich alle gut verstehen und auch ein bisschen Hand in Hand laufen.

 

Kommen wir zurück zur technischen Seite: Gab es Vorgaben, was ihr - bezüglich Marken und Größenordnung - an Licht und Ton einsetzen solltet?

FIEKERS: Was die Größenordnung angeht: ja. Für das Lichtdesign zum Beispiel. Einzelne Vorgaben für Lampentypen gab es aber nicht. Wir konnten zum großen Teil auf den Stock zurückgreifen, den wir hier lagermäßig haben. Das rechnet sich auch am besten. So ein paar Sachen sind natürlich extra, die der Lutz speziell haben wollte und die wir nicht On-Stock haben - die wurden dann hinzugemietet und entsprechend eingesetzt. Es gab Ton von L-Acoustics und Licht von Robe. Und die LED-Wand war eine BQ4 von ROE Visual.

 

Wie umfangreich war dieser Tourabschnitt?

FIEKERS: 22 Shows, hauptsächlich in großen Hallen. Vorab haben wir vier Tage geprobt. Die Tour war sehr gut verkauft - jenseits der 90-Prozent-Marke, würde ich sagen.

 

Glaubst du, dass die aktuelle Tour, die ab Juli 2026 unter dem Titel „Let’s Do It Again, Again!“ abermals fortgesetzt wird, tatsächlich Carpendales letzte sein wird - oder wird auch danach noch etwas kommen?

FIEKERS: Tourneen durch die großen Hallen der Republik soll es nicht mehr geben - das hat Howard Carpendale selbst gesagt. Er hat aber auf der Bühne auch gesagt, dass er nicht wieder sagen will, er mache nie wieder etwas. Er tritt für sein Leben gern auf. Aber so eine lange Tour will er sich nicht mehr zumuten.

 

Danach kann er ja noch in Dresden am Elbufer auftreten, so wie Roland Kaiser.

FIEKERS: Ja, genau: feste Spielstätten. Das ist dann auf jeden Fall bequem, da muss man nicht so viel tingeln. Wir haben nicht viele solcher Spielstätten in Deutschland. Das wäre mal eine Idee für Semmel Concerts.

 

Was war für euch ganz besonders an der Carpendale-Tour?

FIEKERS: Für uns war dieser Ring, der oben drüber hing, etwas Besonderes. Der war frei beweglich, bewegte sich über der Bühne. Eine Sonderanfertigung, die wir bei uns speziell für diesen Set entworfen, konstruiert, umgesetzt und gebaut haben.

 

Würdest du - nicht nur auf diese Tour bezogen, sondern generell - sagen, dass heutzutage ein bisschen mehr darauf geachtet wird, zu sparen? Beispiel: Bosse - der spielt derzeit ohne Videowand, nur mit Backdrop hinter der Bühne. Ist Kosteneffizienz mehr denn je ein Thema?

FIEKERS: Das glaube ich nicht. Wenn es gut verkauft ist, ist es nach wie vor so, dass da Geld drin steckt. Das wird natürlich nicht mehr so mit vollen Händen ausgegeben, wie es manchmal anderswo der Fall ist. Aber wenn ich so gucke, was wir abseits von Semmel Concerts dieses Jahr gemacht haben - mit Künstlern, die über die Social-Media-Ecke groß und bekannt geworden sind und zum Beispiel mehrfach die Lanxess Arena in Köln ausverkaufen -, dann habe ich den Eindruck, dass da das Geld deutlich lockerer sitzt als bei anderen Sachen, weil da natürlich auch der Umsatz ein anderer ist. Wobei jetzt für mich, was Bosse angeht, die fehlende Videowand nicht zwingend ein Kostenfaktor ist. Ich würde es erstmal als gestalterisches Mittel sehen - es gibt ja genug Leute, die sagen: Wir wollen das nicht. Ich bin jetzt gerade bei Schiller gewesen, das ist mein aktuelles Projekt, und der Christopher hat mir mehrfach gesagt, dass er eigentlich keine LED-Wand hinten haben will - schon allein deshalb nicht, weil er merkt, dass die Leute an ihm vorbeigucken. Das ist ein Künstler, der mit dem Publikum interagieren und das Publikum auch sehen will. Bei Bosse könnte ich mir ebenfalls vorstellen, dass er sagt, er will nicht da stehen und Musik machen, und die Leute gucken links und rechts aufs Design, die gucken gar nicht mehr auf ihn.

 

Einen krassen Gegenentwurf gab es beim ESC 2026 - der bestand ja nur noch aus Video.

FIEKERS: Genau. Da war ich schon geflasht, muss ich sagen. Aber das ist ja auch eine andere Klientel und Herangehensweise. Es wird übertragen, das ist schon eine Materialschlacht.

 

www.satis-fy.com

www.semmel.de

 

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