Aktuelle News & Schlagzeilen
Entwicklung hin zu mehr smartphonefreien Festivals beobachtet
Während Konzertbesucher früher nur gelegentlich ein Foto während eines Auftritts machten, sind Smartphones heute aus dem Publikum kaum noch wegzudenken. Viele Besucher filmen ganze Songs oder halten große Teile eines Konzerts mit ihrem Handy fest. Gleichzeitig wächst jedoch das Bedürfnis nach einem smartphonefreien Konzerterlebnis.
Deshalb experimentieren Festivals zunehmend mit smartphonefreien Bereichen, abgeklebten Kameras und verschließbaren Handyhüllen während der Auftritte. „Atmosphäre und Energie nimmt man einfach viel intensiver wahr, wenn man nicht ständig auf sein Display schaut“, sagt Megan Keijzer, Konzertfotografin und Customer-Journey-Expertin bei Kamera Express, einem seit dreißig Jahren bestehenden Unternehmen für Foto- und Videografie.
Laut Keijzer habe sich die Art und Weise, wie Besucher Konzerte festhalten, in den vergangenen Jahren stark verändert. „Früher ging es um ein paar Fotos oder kurze Videos. Heute werden ganze Songs oder sogar komplette Sets aufgenommen“, sagt sie. „Viele Menschen verspüren den Drang, alles zu filmen, weil inzwischen scheinbar alles online geteilt werden muss.“
Dieses ständige Filmen sorge zunehmend für Frustration bei Konzertbesuchern. „Es beeinflusst nicht nur die Person, die filmt, sondern auch die Menschen dahinter, die die halbe Show auf hochgehaltene Handys statt auf die Bühne schauen“, so Keijzer. „Dadurch ist man einfach weniger im Moment präsent.“
Die Diskussion über die Smartphone-Nutzung auf Festivals und Konzerten steht im Zusammenhang mit einer breiteren gesellschaftlichen Entwicklung, bei der Menschen bewusster mit Bildschirmzeit und digitalen Reizen umgehen. Laut Keijzer erlebten Konzertbesucher immer häufiger, dass sich ein Auftritt intensiver anfühle, wenn Smartphones weniger präsent sind.
Auch Jos Ahlers, Psychologe und Forscher zur Generation Z, beobachtet diese Entwicklung bei jungen Menschen. „Sie haben ein kompliziertes Verhältnis zu ihrem Smartphone: Sie können nicht ohne, fühlen sich aber gleichzeitig davon gestört“, sagt er. Junge Menschen suchten immer häufiger gezielt nach Momenten ohne Smartphone-Nutzung. „Durch Clubabende, bei denen Handys eingesammelt oder die Kameras abgeklebt werden, schaffen sich junge Menschen bewusst Ruhe im Kopf“, erklärt Ahlers. „Wir hören viele Berichte von jungen Leuten, die überrascht sind, wie stark sich die Atmosphäre verändert, sobald die Smartphones verschwinden oder ausgeschaltet werden.“
Ein vollständiges Handyverbot müsse nach Ansicht Keijzers nicht unbedingt die ideale Lösung sein. „Für die Atmosphäre ist es großartig, wenn alle ihr Handy beiseitelassen. Ein komplettes Verbot erscheint vielen Menschen jedoch wiederum zu radikal“, sagt sie. „Ich würde daraus keine Verpflichtung machen, aber mehr Bewusstsein kann einen echten Unterschied bewirken.“
Ahlers erwarte, dass die Zahl der Orte, an denen bewusst auf Smartphone-Nutzung verzichtet wird, in den kommenden Jahren weiter zunehmen werde. „Die soziale Norm scheint sich langsam zu verändern“, sagt er. „Das ist ein langsamer Prozess: Der Wunsch nach Veränderung wächst, doch die Umsetzung im tatsächlichen Verhalten bleibt schwierig.“
(Foto: Grish Petrosyan/Pexels)
SCHLAGZEILEN
news archiv
suche
© 1999 - 2026 Entertainment Technology Press Limited News Stories






